Die Welt ist zu schön für Depression

Hervorgehoben

Nach dem gelungenen Biker-Event „Fellows Ride“ am 13.5.2018 zugunsten der Depressionshilfe packte ich vier Wochen später das Motorrad für meinen persönlichen Fellows Ride. Vom Touratech-Travel-Event in Niedereschach bin ich am 10.6. zu einer Tour aufgebrochen, bei der ich unterwegs Rotary Clubs besuchen werde und das Thema „Depressionshilfe“ vorstelle.

Unterwegs möchte ich mich von Land und Leuten inspirieren lassen und das, was ich entdecke, erlebe und erfahre, hier aufschreiben. Weiterlesen

Anstrengend, überwältigend und erfolgreich

Auf die Frage, warum ich hier kaum Reisebericht schreibe, gibt es eine simple Antwort: „Ich komme nicht dazu!“ Tausend Sachen sind unterwegs zu erledigen: Unterkunft suchen; Moped warten; Klamotten waschen; ums Essen kümmern; Foto- und Videomaterial sichten, bearbeiten und speichern; Facebook und Instagram bedienen; den nächsten Tag planen, Grenzübergänge vorbereiten, Visa, Zoll etc. – ach ja, Motorradfahren hätte ich fast vergessen. In den fünfeinhalb Monaten, die ich unterwegs bin, fuhr ich im Durchschnitt pro Tag 200 km. Auf guten Straßen dauert das drei Stunden, auf schlechten schon mal länger. An einem Tag in Myanmar war ich 13 Stunden unterwegs und habe 450 km auf schlechtem Asphalt, Schotter und Schlamm geschafft.
Nur um Zeit zu sparen, möchte ich auf keinen Fall auf die Begegnungen mit den Menschen und auf ihre Gastfreundschaft verzichten. Die Kommunikation dauert halt etwas länger, weil die gemeinsame Sprache fehlt.
Und dann sind da die vielen Sehenswürdigkeiten, an denen man nur vorbeikommt. Mit schnell mal anhalten und Foto machen ist es dann oft nicht getan. Staunen und Genießen braucht seine Zeit.

Mein Versprechen an Euch
Long story short: Meine Tage sind ausgefüllt. Was fehlt ist die Muße einen Bericht zu schreiben. Bitte nicht falsch verstehen, das soll keine Entschuldigung sein. Vielmehr ist es mein Versprechen, in Ruhe und mit Sorgfalt Berichte nachzureichen. Ihr könnt Euch auf viele schöne Fotos und Videos freuen. Bis heute ist es eine wundervolle Reise.

War der Höhepunkt erreicht?
Als ich vor einigen Wochen in Kathmandu/Nepal ankam, wollte ich schon abbrechen; „Was soll nach den Erlebnissen und Bildern aus dem Iran, Pakistan, Indien und Himalaya noch kommen?“habe ich mich gefragt. Das Foto- und Videomaterial hat damals schon für zwei oder mehr Vorträge ausgereicht. Gut, dass ich weiter gefahren bin. Ihr könnt Euch also auf ganz besondere Vorträge freuen, wenn ich wieder zurück bin.
Solange werde ich Facebook und Instagram nutzen, um aktuelle Fotos und Eindrücke zu teilen. Wer lieber in unregelmäßigen Abständen eine Email mit Fotos bekommen möchte, kann mir das gerne mitteilen (Email-Adresse nicht vergessen).

Der Fellows Ride ist ein Erfolg!
Das Konzept des Fellows Ride geht auf. Depression ist ein globales Thema, das zeigen mir die vielen Gespräche in den unterschiedlichen Ländern. Die primäre Währung bei Depressionshilfe und Suizidprävention ist „Aufmerksamkeit“.
Wer mir hierbei helfen will, braucht einfach nur diese Seite oder die Facebookseite mit seinen Freunden zu teilen.
https://www.facebook.com/Fellowsride

Ich freue mich auch sehr darüber, dass die Stiftung Deutsche Depressionshilfe mich mit Rat und Tag dabei unterstützt.

Wer Geld für die Depressionshilfe spenden möchte, kann das über meine Stiftung tun (es weihnachtet sehr 😉

Konto:
Thomas Lurz und Dieter Schneider Sportstiftung
Stichwort: „Fellows Ride“
Castell Bank Würzburg
DE85 7903 0001 1000 1905 00
(ab 200€ gibt es automatisch eine Spendenbescheinigung)

Als kleines Dankeschön gibt es weiter unten eine kleine Auswahl an Fotos.
Wenn es Euch gefällt was ich hier tue und im wahrsten Sinn des Wortes „erfahre“, freut mich das sehr.

Motorradfahren und Gutes tun

So lautet mein Motto und die Botschaft heißt: „Mit offenem Visier gegen Depression. Vielen Dank für eure Unterstützung!!

Wir sehen uns.
Euer Dieter

Welcome to Teheran

Welcome to Teheran” ruft mir Pouria durch sein offenes Helmvisier zu. Ich darf ihn Paul nennen, weil ich mir seinen Namen nicht merken kann. Wir haben uns mit zwei anderen iranischen Motorradfahrern im „Jungle“ getroffen. Was sich wie subtropischer Regenwald anhört, ist der Name für einen Buchenwald im Elburzgebirgeder aus dem persischen Wortstamm „Jangal“ abgeleitet wurde. Das Elburzgebirge trennt, wie eine Wettermauer, den feuchten Küstenstreifen am Kaspischen Meer und den trocken heißen Westen, insbesondere Teheran. Im Jungle habe ich mich zu Hause gefühlt. Das einzige was anders ist als in unseren heimischen Mittelgebirgswäldern, sind die Fressbuden und Picknickplätze, die links und rechts der Straße auftauchen… inklusive der entsprechenden Müllberge. 

Da es im Jungle schön kühl und grün ist, wird er von den Menschen aus Teheran als Vergnügungspark genutzt und leider ziemlich verschmutzt. Schade eigentlich.

Als ich an diesem Morgen die drei Jungs mit ihren Motorrädern am Straßenrand sah, hab‘ ich instinktiv angehalten und Kontakt gesucht. So viele iranische Motorradfahrer habe ich schließlich noch nicht getroffen. Paul fragte mich, ob ich mitfahren wolle, was ich dankend annahm.

So sind wir, inklusive eines Zwischenstopps für Tee und Melone, im Sommerhaus von Pauls Vater, der ein hochdekorierter iranischer Professor der iranischen Militärakademie war, ziemliche lange auf der legendären Chalus-Road unterwegs. Das ist eine der ältesten Straßen, die das kaspische Meer mit Teheran verbindet und es ist grundsätzlich eine wunderschöne Pass-Straße, die durch drei Klimazonen führt. Extrem ist der letzte Tunnel in den man bei 15 Grad hinein- und nach 2 km bei 32 Grad wieder hinausfährt. Vor dem Wochenende wird die Straße allerdings zu einer endlosen Blechlawine, die chaotische durch die Berge rollt, falls sie rollt. Ziemlich gerädert kommen wir spät abends in Teheran an.  Zwei Warnungen haben mir Iran-Kenner zu Hause mit auf die Reise gegeben: „Meide den Verkehr in Teheran!“ und „Fahre niemals im Dunkeln“. Letzteres wollte ich schon deshalb vermeiden, weil meine Birne im Scheinwerfer schon seit einigen Tagen ihren Geist aufgegeben hat. 

„Welcome to Teheran“ – als mich Paul willkommen heißt, ist es längst dunkel. Nur das Thermometer hat noch nicht gemerkt, dass der Tag seit Stunden vorbei ist: 34 Grad! Der Verkehr ist dicht. Dabei fand ich‘s jetzt aber gar nicht sooo gefährlich. Es wird halt nur manchmal ziemlich eng mit den Koffern und dem breiten Gepäck. 

Ich habe wieder einmal unglaubliches Glück: Hossein, einer der drei Jungs, bietet mir sein Gästezimmer an. Er hat eine geräumige Stadtwohnung, in der er mit seiner Frau und seinem 25 jährigen Sohn lebt. Hossein war erfolgreicher Produzent für Elektroteile, bis ihm die Billigangebote aus China das Geschäft vermasselt haben. Auch Paul lässt an dem Einfluss des Auslandes im Iran kein gutes Haar. Er ist Ingenieur und hat im Auftrag von Siemens an den Staudämmen, an denen wir im Elburzgebierge vorbeigefahren, sind mitgearbeitet, bis sich Siemens – aufgrund des Embargos der USA – aus dem Projekt zurückgezogen hat. „Dieses Mal kann das Embargo zum Regimewechsel führen“, befürchtet er.

Hosseins Frau kocht uns ein „kleines“ Dinner; Putenschnitzel mit Kartoffeln und Salat. Um Mitternacht falle ich dann auch ins Bett. Was für ein Glück; ohne die Jungs hätte ich heute ziemlich alt ausgesehen. Mein Navi ist hier nicht zu gebrauchen und die Straßenschilder kann ich nicht lesen. Ich wäre im Blindflug irgendwo im dunklen Nirgendwo gelandet.

Welcome to Teheran!

Iran – Against all odds

Der ADAC lässt aktuell übers Internet wissen, dass Motorräder über 250 ccm nicht in den Iran rein gelassen werden! No Chance! Dieser Schock fährt meinem Moped und mir ins Fahrwerk. Was tun? Etwa umkehren? Nix da! Ich verlasse meine Komfortzone in Gocht, Yerevan, mit einem herzlichen „Dankjewel“ an Sandra und dem festen Ziel den Grenzübergang in den Iran bei Agarak zu meistern. Let’s go!

Auf dem Weg dorthin geben die Klöster Khor Virap und Tatev im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes von Armenien nochmal alles.

Der kleine Kaukasus macht großen Spaß; on- und offraod. Armenien was great!

Nach einer letzten Passfahrt (2.500m) von Kapan ins Tal nach Meghri komme ich gegen 10.00 Uhr an die Grenze.

Die Ausreise ist easy. Der beleibte Grenzer raunt mit seiner Bassstimme fast akzentfrei „Auf Wiedersehen“ und entlässt mich mit dem Satz „Friedrich Barbarossa, good“ einigermaßen verstört gen Iran.

Es ist Freitag, d.h. Feiertag im Iran. Der Himmel ist bedeckt, die Temperaturen bei angenehmen 25 Grad. Außer mir sind noch vier Trucker unterwegs. Pass- bzw. Visakontrolle geht fix. Customs geht auch zügig. Es läuft zu gut. Irgendwie traue ich dem Frieden nicht. Am Ende wird es nochmal eng; der Beamte vor der Schranke checkt das Carnet und ruft seinen Vorgesetzten an. Ich verstehe kein Wort von dem was gesprochen wird. Es geht offensichtlich ums Motorrad. War’s das jetzt? Mich quält die Befürchtung, dass meine Reise hier vor der letzten Schranke ein Ende haben könnte.

Hatte der ADAC recht? Meine Knie zittern. Gut, dass das hinter den Protektoren nicht zu sehen ist. Mein Herz rutscht auch da unten irgendwo rum. Das Telefonat dauert lange, will nicht enden. Die Stirn des Beamten legt sich in Falten, die Stimme senkt sich, er legt auf, greift zum Stempel und „Bam“. Er reicht mir das Carnet mit einem erlösenden „Go“. Die Schranke geht auf und Halleluja, ich bin drin. Iran, here I come.

 

 

 

Reisetipp: 3Gs Camping Armenia

Jump in – stay longer!

Wer viel arbeitet oder lange unterwegs ist, braucht eine Auszeit. Ist der Urlaubsantrag genehmigt oder die Zeit reif für eine Pause, dann fehlt oft noch der passende Ort dazu. Auf meiner Afrika-Reise war das die Zauberinsel Sansibar (siehe travelbook.de).

Bei meinem aktuellen Fellows Ride liegt dieser Ort in den Bergen von Yerevan in Armenien.

Kloster Geghard

An der Straße, die zu einem bedeutenden historischen Kloster in Armenien führt, weist ganz unscheinbar ein Schild auf 3Gs Camping hin. Hinter „3Gs“ verbirgt sich die Trilogie der Orte: Garni, Gocht und Geghard. Mitten in dieser geschichtssträchtigen Landschaft liegt ein Campground, der viel mehr ist als ein „Camping-Platz“. Der Begriff „Camping-Hotel“ würde besser passen. Auf 1.600 m über dem Meeresspiegel öffnet sich eine Tür zu einer Oase mit allem Komfort, vergleichbar mit einem 4-Sterne Hotel in Deutschland; zuzüglich Pool, Aussicht auf eine Berglandschaft und Sonne satt. Weiterlesen

Armenien – Lesson learned

Sechs, setzen; Prüfung bestanden!

Offen gestanden, war ich auf meine Tour durch Armenien mangelhaft bis ungenügend vorbereitet. Als ich in Würzburg los fuhr, wusste ich nicht einmal was ein Kreuzgewölbe ist. Ich wusste, dass es in Armenien schöne Klöster geben sollte; aber, dass es so viele sind, hat mir keiner gesagt. Das Kalender-Foto auf dem eine Klosterkirche vor dem Schnee bedeckten Berg Ararat zu sehen ist, kennt fast jeder. Aber das ist nur eins von gefühlt tausend Klöstern. Ich sag’s Euch, hinter jeder Kurve eine „Monastery“. Das ist der touristische Overkill. Mittlerweile sehe ich einen Bergvorsprung und frage mich, warum die da kein Kloster drauf gebaut haben. Ich rate jedem Tourist, der plant nach Armenien zu reisen, erst mal Kunstgeschichte zu studieren.

Wer es sich so richtig geben will, sollte sich für Chatschkare interessieren. Das sind „Kreuzsteine“, die Faktor 100 pro Kloster zählen.

Ich geb‘ ja zu, dass die Steine schön verziert sind. Ja, auch die Klöster machen was her. Vor allem die Lage. Aber wie kann man sich auf so eine Menge vorbereiten?

Kompliziert wird es auch, wenn man erfährt, wer hier wann, gegen wen und warum Krieg geführt hat. Welche Interessen haben Russland, Türkei oder der Iran, wenn es um den Transkaukasus geht? Weiterlesen

Georgien: Klöster, Wein und Kaukasus

Batumi

Batumi ist die erste Großstadt, die ich nach dem Grenzübergang Türkei – Georgien erreiche. Die Hafenstadt gilt für viele Touristen aus Europa als Tor zum Kaukasus. Sie kommen per Schiff übers Schwarze Meer aus Burgas/Bulgarien oder Odessa/Ukraine. Von hier aus lässt sich die Kaukasus-Region gut erschließen. Batumi ist Boomtown. Entlang des Küstenstreifens entsteht ein zweites Las Vegas. Hotels und Casinos wachsen in den Himmel. Der quirlige Strand-Boulevard, ist eine weitläufige Kultur und Tourismusmeile mit vielen Restaurants und Bars. Hinter dieser Glitzerwelt suche ich mir in der dunkleren Hinterstadt ein Hostel.

Retro Hostel

Zum ersten Mal auf meinen Reisen möchte ich diese Art der Unterkunft ausprobieren. Über Booking.com wähle ich das Retro-Hostel aus. Mechmed, der Manager, begrüßt mich ganz aufgeregt und zeigt auf mein Nummernschild. Er sei in Großlangheim bei Würzburg groß geworden und vor einigen Jahren über seine Heimat Türkei nach Batumi gekommen. Später wird er mir erzählen, dass er für die türkische Armee im Einsatz war und dort „alles erlebt hat, was man erleben kann“ – sein eisiger Blick würgt jede vertiefende Frage dazu ab. Weiterlesen

Urlaub vom Reisen – Grüße aus Armenien

Kloster Geghard/Armenien

Kurz vor Kloster Geghard, UNESCO-Weltkulturerbe und eines der bedeutendsten Zeugnisse der Armenisch Apostolischen Kirche, habe ich auf einem Campingplatz der besonderen Art Quartier gemacht: 3 Gs Camping in Gocht; Pool, Küche, Sanitär etc. alles vom Feinsten. Sandra aus Holland betreibt 3 Gs seit 2015 mit Fleiß und Leidenschaft.

Der Name wurde nicht etwa inspiriert von dem BMW Motorradklassiker „GS“ sondern von den Anfangsbuchstaben des Standorts Gocht und den beiden bekannten Orten Garni und Geghard in der Nachbarschaft. In Geghard besichtigten die Touristen das gleichnamige Kloster, in Garni steht die griechisch-römische Tempelanlage auf dem Programm. Weiterlesen

Mein persönlicher Fellows Ride

Nach dem gelungenen Biker-Event „Fellows Ride“ am 13.5.2018 in Würzburg packte ich vier Wochen später das Motorrad für meinen persönlichen Fellows Ride. Vom Touratech-Travel-Event in Niedereschach bin ich am 10.6. zu einer Tour aufgebrochen, bei der ich unterwegs Rotary Clubs besuchen werde. Unser Thema „Depressionshilfe“ stelle ich bei den Meeting vor.

Wenn Ihr das lest habe ich schon den Rotary Club in Budapest und in Constanta (Rumänien) besucht. Weiter geht es auf meinem Fellows Ride 2.0 über Bulgarien nach Istanbul. Entlang der türkischen Schwarzmeerküste werde ich nach Georgien, Armenien und in den Iran reisen – vorausgesetzt es läuft so gut wie bisher. Leider komme ich noch nicht dazu ausführliche Berichte für Euch zu schreiben, z.B. über das unterschätzte Reiseland Rumänien, in dem ich mich sauwohl gefühlt habe. Oder den Besuch meines alten Fechtmeisters in Budapest. Damit Ihr Euch aber trotzdem schon mal einen Eindruck von meinem Fellows Ride machen könnt, habe ich vorab eine Bilder-Galerie für Euch zusammengestellt. Die Berichte folgen, versprochen. #mit offenem Visier gegen Depression

Hier geht es zu Foto-Galerie: Fellows Ride #01