Welcome to Teheran

Welcome to Teheran” ruft mir Pouria durch sein offenes Helmvisier zu. Ich darf ihn Paul nennen, weil ich mir seinen Namen nicht merken kann. Wir haben uns mit zwei anderen iranischen Motorradfahrern im „Jungle“ getroffen. Was sich wie subtropischer Regenwald anhört, ist der Name für einen Buchenwald im Elburzgebirgeder aus dem persischen Wortstamm „Jangal“ abgeleitet wurde. Das Elburzgebirge trennt, wie eine Wettermauer, den feuchten Küstenstreifen am Kaspischen Meer und den trocken heißen Westen, insbesondere Teheran. Im Jungle habe ich mich zu Hause gefühlt. Das einzige was anders ist als in unseren heimischen Mittelgebirgswäldern, sind die Fressbuden und Picknickplätze, die links und rechts der Straße auftauchen… inklusive der entsprechenden Müllberge. 

Da es im Jungle schön kühl und grün ist, wird er von den Menschen aus Teheran als Vergnügungspark genutzt und leider ziemlich verschmutzt. Schade eigentlich.

Als ich an diesem Morgen die drei Jungs mit ihren Motorrädern am Straßenrand sah, hab‘ ich instinktiv angehalten und Kontakt gesucht. So viele iranische Motorradfahrer habe ich schließlich noch nicht getroffen. Paul fragte mich, ob ich mitfahren wolle, was ich dankend annahm.

So sind wir, inklusive eines Zwischenstopps für Tee und Melone, im Sommerhaus von Pauls Vater, der ein hochdekorierter iranischer Professor der iranischen Militärakademie war, ziemliche lange auf der legendären Chalus-Road unterwegs. Das ist eine der ältesten Straßen, die das kaspische Meer mit Teheran verbindet und es ist grundsätzlich eine wunderschöne Pass-Straße, die durch drei Klimazonen führt. Extrem ist der letzte Tunnel in den man bei 15 Grad hinein- und nach 2 km bei 32 Grad wieder hinausfährt. Vor dem Wochenende wird die Straße allerdings zu einer endlosen Blechlawine, die chaotisch durch die Berge rollt, falls sie rollt. Ziemlich gerädert kommen wir spät abends in Teheran an.  Zwei Warnungen haben mir Iran-Kenner zu Hause mit auf die Reise gegeben: „Meide den Verkehr in Teheran!“ und „Fahre niemals im Dunkeln“. Letzteres wollte ich schon deshalb vermeiden, weil meine Birne im Scheinwerfer schon seit einigen Tagen ihren Geist aufgegeben hat. 

„Welcome to Teheran“ – als mich Paul willkommen heißt, ist es längst dunkel. Nur das Thermometer hat noch nicht gemerkt, dass der Tag seit Stunden vorbei ist: 34 Grad! Der Verkehr ist dicht. Dabei fand ich‘s jetzt aber gar nicht sooo gefährlich. Es wird halt nur manchmal ziemlich eng mit den Koffern und dem breiten Gepäck. 

Ich habe wieder einmal unglaubliches Glück: Hossein, einer der drei Jungs, bietet mir sein Gästezimmer an. Er hat eine geräumige Stadtwohnung, in der er mit seiner Frau und seinem 25 jährigen Sohn lebt. Hossein war erfolgreicher Produzent für Elektroteile, bis ihm die Billigangebote aus China das Geschäft vermasselt haben. Auch Paul lässt an dem Einfluss des Auslandes im Iran kein gutes Haar. Er ist Ingenieur und hat im Auftrag von Siemens an den Staudämmen, an denen wir im Elburzgebierge vorbeigefahren, sind mitgearbeitet, bis sich Siemens – aufgrund des Embargos der USA – aus dem Projekt zurückgezogen hat. „Dieses Mal kann das Embargo zum Regimewechsel führen“, befürchtet er.

Hosseins Frau kocht uns ein „kleines“ Dinner; Putenschnitzel mit Kartoffeln und Salat. Um Mitternacht falle ich dann auch ins Bett. Was für ein Glück; ohne die Jungs hätte ich heute ziemlich alt ausgesehen. Mein Navi ist hier nicht zu gebrauchen und die Straßenschilder kann ich nicht lesen. Ich wäre im Blindflug irgendwo im dunklen Nirgendwo gelandet.

Welcome to Teheran!

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