Australien, du hast es besser.

(For English version see below: „Australia, you have it better.“)

Black Dog Ride, Men`s Breakfast, moodgym, beyondblue, Black Dog Institute“ …, um nur einige Institutionen und Initiativen zu nennen, die sich in Australien um Depressionshilfe und Suizidprävention kümmern. Aber neben diesen Angeboten ist es vor allem Eins, was den Umgang in Sachen Mental Health down under von uns in Deutschland unterscheidet: hier spricht man offen darüber! 

Diese subjektive Einschätzung ist für mich allgegenwärtig. Es reicht ein kleiner Anstoß und betroffene „Mates“ reden nicht nur über ihre Depressionen, ihre Abhängigkeiten oder ihre Panikattacken, sie erzählen dir auch über ihre Versuche damit umzugehen, über Therapien, ärztliche Hilfen und Medikationen. Diese Offenheit mag einerseits an der lockeren, kommunikativen und coolen Art der Australier liegen, andererseits fehlt in dem Land die unterdrückende Kultur- und Religionsgeschichte, die in unseren Breitengraden zur Tabuisierung von Depression und  „Selbstmord“ geführt hat. Die Suizidrate in Australien unterscheidet sich laut WHO nicht sehr von der in Deutschland. Nach meiner Wahrnehmung hat das Thema hier jedoch einen größeren Stellenwert in der Gesellschaft. Im Vergleich zu anderen Todesursachen wird die akute Relevanz der Suizidprävention in Australien erkannt und ernst genommen. Ich werde hier das schlechte Gefühl nicht los, dass in Deutschland noch eher rückwärtsgewandt über die verkrustete Versorgungssituation gestritten wird. In Australien wird nach vorne gehandelt. Beispiel: Men`s Breakfast. Das ist eine private Initiative in Phillip Island. Regelmäßig treffen sich ca. 50 Männer, die direkt bzw. indirekt von Depression betroffen sind, zum Austausch bei einem Frühstück. Ich habe dort erleben dürfen, wie ein Teilnehmer in einer Diskussionsrunde aufstand und von seiner Porno-Sucht im Internet erzählte, die ihn die erste Ehe gekostet hat und in eine schwere Depression stürzte. Er spricht darüber wie er gelitten hat. Und er berichtet über die Therapie, die ihm geholfen hat und vor allem erzählt er von den Freunden, mit denen er offen reden konnte und die ihn zum richtigen Arzt geschickt haben. Keiner von den fast 50 Personen im Raum war peinlich berührt von der Geschichte. Jeder war aufmerksam interessiert. Es wurde konstruktiv diskutiert.

Dieses „Storytelling“ ist eine moderne Erfolgsmethode in der Werbung. Was dort funktioniert, sollte doch auch im richtigen Leben wirken. Um die Geschichte der eigenen Depression zu erzählen, braucht es Mut zu sprechen, aber vor allem auch  Zuhörer. Zuhörer, die die Ernsthaftigkeit erkennen und die wirklich helfen wollen und können. Wobei Zuhören schon mal der erste Schritt in die richtige Richtung ist. Ich habe die Australier als ein Volk kennengelernt, das gerne und viel redet. Sie sind aber auch gut im Zuhören. Das können sie besser als wir, wenn es um Depression und Suizidprävention geht. 

Australien du hast es besser. Lernen wir daraus!?

Interview with Phill Small, an australien photographer and fine art artist about his depression. Thank you Phill.

Phill Small about Depression

 

 

Australia, you do it better.

Black Dog Ride, Men`s Breakfast, moodgym, beyondblue, Black Dog Institute“, … just to name a few institutions and initiatives that are working against depression and prevent suicide in Australia. Apart from these offers, it is above all one thing, which makes the handling of mental health different from Germany: down under people used to speak openly about it!

In my perception it is omnipresent. It’s just a small push and affected „Mates“ do not just talk about their depression, their addictions or their panic attacks, they also tell you about their attempts to deal with it, about therapies, medical aids and medications. On the one hand, this openness may be due to the casual, communicative and cool nature of the Australians, on the other hand, the oppressive cultural and religious history that has led to the tabooing of depression and suicide in our latitudes is missing in Australia. According to WHO suicide rate in Australia is not very different from that in Germany. In my opinion, however, the topic has a greater significance in society. Compared to other causes of death, the acute relevance of suicide prevention in Australia is recognized and taken seriously. I will not shake off the bad feeling that Germany is still arguing backwards about the encrusted supply situation. Australia is moving forward. Example: Men`s Breakfast. This is a private initiative in Phillip Island. Regularly around 50 men, who are directly or indirectly affected by depression, meet for breakfast. I was there to see a participant get up in a discussion and talk about his porn addiction on the internet, which cost him his first marriage and plunged into a major depression. He talks about how he suffered. And he talks about the therapy that helped him, and above all, he talks about his friends, with whom he spoke openly and who sent him to the right doctor. None of the nearly 50 people in the room was embarrassed by the story. Everyone was attentively interested. The discussion was constructively.

Storytelling is a proper method in advertising. What works there should work in real life as well. To tell the story of one’s own depression requires courage to speak, but above all listeners. Listeners who recognize the seriousness and who really want to and can help. Listening is the first step in the right direction. I have come to know the Australians as a people that likes to talk a lot. But they are also good at listening. They can do better than us when it comes to depression and suicide prevention. Australia you have it better.

Let’s learn from it!

 

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