Armenien – Lesson learned

Sechs, setzen; Prüfung bestanden!

Offen gestanden, war ich auf meine Tour durch Armenien mangelhaft bis ungenügend vorbereitet. Als ich in Würzburg los fuhr, wusste ich nicht einmal was ein Kreuzgewölbe ist. Ich wusste, dass es in Armenien schöne Klöster geben sollte; aber, dass es so viele sind, hat mir keiner gesagt. Das Kalender-Foto auf dem eine Klosterkirche vor dem Schnee bedeckten Berg Ararat zu sehen ist, kennt fast jeder. Aber das ist nur eins von gefühlt tausend Klöstern. Ich sag’s Euch, hinter jeder Kurve eine „Monastery“. Das ist der touristische Overkill. Mittlerweile sehe ich einen Bergvorsprung und frage mich, warum die da kein Kloster drauf gebaut haben. Ich rate jedem Tourist, der plant nach Armenien zu reisen, erst mal Kunstgeschichte zu studieren.

Wer es sich so richtig geben will, sollte sich für Chatschkare interessieren. Das sind „Kreuzsteine“, die Faktor 100 pro Kloster zählen.

Ich geb‘ ja zu, dass die Steine schön verziert sind. Ja, auch die Klöster machen was her. Vor allem die Lage. Aber wie kann man sich auf so eine Menge vorbereiten?

Kompliziert wird es auch, wenn man erfährt, wer hier wann, gegen wen und warum Krieg geführt hat. Welche Interessen haben Russland, Türkei oder der Iran, wenn es um den Transkaukasus geht? O.k. und wer will schon dauernd mit den Nachbarn auf Kriegsfuß stehen. Wer hier geboren wurde, muss die Geschichte seines Landes nicht erst in der Schule lernen. Sie ist gegenwärtig: sowohl in den alten Klöstern als auch in den aktuellen Nachrichten. Armenien ist ein geschundenes Land. Der geplante Völkermord der Türken am Anfang sowie die Ausbeutung der Sowjets ab Mitte des 20. Jahrhunderts, haben tiefe Wunden und rostigen Schrott hinterlassen.

Vielleicht kann man sich also gar nicht auf Armenien vorbereiten; viel zu komplex! Selbst wenn ich vor meiner Abfahrt gewusst hätte was ein Kreuzgewölbe ist, hätte ich nichts von Armenien gekannt. Man muss es erleben und erfahren. Mit dem Motorrad geht das gut, auch wenn die Straßen eher schlecht sind. Ich lasse mich von Tipps und Geschichten, die ich unterwegs aufschnappe, treiben. So kann ich dahin fahren, wo die Reisebusse eher nicht hinkommen und lerne Menschen kennen, die nicht im Dienst der Tourismusindustrie stehen.

Armenien ist ein tolles Land mit einer großen Perspektive. Es heißt, dass viele junge Armenier, deren Eltern den Genozid in der Diaspora überlebt haben, wieder ins Land zurückkehren. Die Korruption scheint im Griff zu sein. Es gibt wohl mehr Chancen als Risiken.

Wenn ich das nächste Mal hierher komme, bin ich vorbereitet. Aber dann kann schon wieder alles ganz anders sein; Erdbeben, Revolution, Regierungswechsel, Krieg?

Was bleibt ist die Aprikose. Der Nationalfrucht haben die Armenier den orange-gelbe Streifen in der armenischen Flagge gewidmet. Dies sollte man wissen, wenn man sich auf eine Armenienreise vorbereiten. Das ist ausreichend!

 

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