Gast-Freundschaft vs. Fremden-Feindlichkeit

 

Seit sieben Monaten fahre ich nun schon auf meinem Motorrad dem Sonnenaufgang in Richtung Südost-Asien entgegen. Ab dem zweiten Tag meiner Reise bin ich Ausländer. Bin Fremder in Ländern, die wir aus dem Reisekatalog kennen. Zur Zeit z.B. ich in Thailand. Ich fuhr aber auch durch Regionen, denen von mächtigen Politikern das Prädikat „Shithole Countries“ und „Schurkenstaaten“ angeheftet wurde. Meine Erfahrungen können das nicht bestätigen. Ich habe mich im Iran so sicher gefühlt wie nirgendwo und bis zur Erschöpfung eine überwältigende Gastfreundschaft erfahren. In Pakistan waren die Menschen interessiert und neugierig. Über die allgegenwärtigen Fragen, „Wo ich herkomme und wo ich hin will“ hinaus, zeigten sie ehrliches Interesse an meiner Person, meiner Reise und meinem Heimatland. Zugegeben, meine Erfahrungen sind nicht repräsentativ und dürfen nicht verallgemeinert werden. Vielleicht hatte ich nur Glück und bin nicht schneller gefahren als mein Schutzengel fliegen kann. Trotzdem möchte ich das gute Gefühl beschreiben, wie es ist, überall Ausländer zu sein aber nie ausgeschlossen. Wie es ist, Fremder zu sein aber nicht fremd. Die Begegnungen mit den einfachen Leuten und der Respekt vor ihrem Lebensalltag reißen mich mit. Noch mehr als die Landschaften und die Sehenswürdigkeiten genieße ich das Kennenlernen von mehrheitlich freundlichen, aufgeschlossenen und hilfsbereiten Menschen vor Ort. Obwohl ich als Gast grundsätzlich in ihrer Schuld stehe, überrascht mich immer wieder ihre Großzügigkeit und Dankbarkeit.

Mit großer Freude nehme ich ihre Gastfreundschaft, ihre Neugier und ihre Empathie an. Weiterlesen

Den Iran entdecken und Gastfreundschaft erfahren

Fellows Ride Iran. Vom 10. Bis 27. August 2018

Gastfreundschaft, Geschichte und Grazie, diese drei G’s bringen meine Wahrnehmung des alten Persiens auf den Punkt. Ich fühlte mich warmherzig willkommen von Menschen, die unter dem eigenen Mullah-Regime und dem Embargo der USA leiden. Seit der Revolution 1979 regieren die Ayatollahs die islamische Republik; was dem überwiegenden Teil der Bevölkerung nach meiner Wahrnehmung nicht gut tut. Das Land hat Schönheit, Anmut sowie historische Kultur zu bieten und mehr verdient als nur „Inshallha“ (Wenn Allah will!), „Mashallha“ (Wie Allah will!) und „Allhahu akbar“ (Allah ist am größten).
Der Iran ist ein geschundenes Land. Der erste Golfkrieg in den Achtzigern hat viele tausend Soldaten gekostet. Die Bilder der Gefallenen säumen noch heute die Straßen.

Viele junge Menschen haben mir gegenüber den Wunsch auf politische und gesellschaftliche Veränderung geäußert, nur keiner weiß so richtige wer den erfüllen soll. Die meisten von uns kennen das Land nur über die politische Berichterstattung in unseren Medien. Vor Ort ergab sich für mich ein völlig anderes Bild. Weiterlesen

Ein Traum am Strand zu Weihnachten

Der Traumstrand einer einsamen Insel am anderen Ende der Welt ist nicht der Ort für besinnliche Weihnachtsstimmung. Sonne, Meer und Horizont bilden die Kulisse für Palmen und Kokosnüsse, nicht für Weihnachtsbaum und Plätzchen. Die Füße sind im warmen weißen Sand vergraben. Der Blick schwenkt über den grünblauen Golf von Thailand. Da kommt mir die Tour d’horizont in den Sinn, die ich in den letzten sechs Monaten durch die vielen Regionen mit ihren unterschiedlichen Religionen erfahren habe. Ich kann die Kirchen, Klöster, Moscheen und Tempel nicht zählen, die ich besucht und besichtigt habe. Christen, Moslems, Sikhs, Buddhisten und Hindus haben mich beherbergt, bewirtet, überholt, betankt, geärgert und erfreut.
Durch mein Weltbild – derart verdichtet – schimmert ein roter Faden, der alle Religionen verbindet. „Göttliche Energie“, „lehrreiche Weisheit“ und „achtsame Nächstenliebe“ bilden den gemeinsamen Nenner. Man stelle sich vor, der Inhalt und die Essenz aller heiligen Bücher würden miteinander verknüpft, zu einer Überbibel oder einem Meta-Koran synchronisiert. Eine einzige Weltreligion, die ihre Energie und Weisheit uneingeschränkt für das Wohl von Mensch, Tier und Natur einsetzt. Die Welt wäre friedlicher und wir Menschen glücklicher.
Mit diesem Traum am Strand einer einsamen Insel am anderen Ende der Welt wünsche ich uns Allen die Weisheit und Energie die Welt ein Stück besser zu machen.
Euch und Euren Familien wünsche ich von ganzem Herzen friedliche Weihnachten sowie ein gesundes und glückliches neues Jahr.
Danke für alles!

Anstrengend, überwältigend und erfolgreich

Auf die Frage, warum ich hier kaum Reisebericht schreibe, gibt es eine simple Antwort: „Ich komme nicht dazu!“ Tausend Sachen sind unterwegs zu erledigen: Unterkunft suchen; Moped warten; Klamotten waschen; ums Essen kümmern; Foto- und Videomaterial sichten, bearbeiten und speichern; Facebook und Instagram bedienen; den nächsten Tag planen, Grenzübergänge vorbereiten, Visa, Zoll etc. – ach ja, Motorradfahren hätte ich fast vergessen. In den fünfeinhalb Monaten, die ich unterwegs bin, fuhr ich im Durchschnitt pro Tag 200 km. Auf guten Straßen dauert das drei Stunden, auf schlechten schon mal länger. An einem Tag in Myanmar war ich 13 Stunden unterwegs und habe 450 km auf schlechtem Asphalt, Schotter und Schlamm geschafft.
Nur um Zeit zu sparen, möchte ich auf keinen Fall auf die Begegnungen mit den Menschen und auf ihre Gastfreundschaft verzichten. Die Kommunikation dauert halt etwas länger, weil die gemeinsame Sprache fehlt.
Und dann sind da die vielen Sehenswürdigkeiten, an denen man nur vorbeikommt. Mit schnell mal anhalten und Foto machen ist es dann oft nicht getan. Staunen und Genießen braucht seine Zeit.

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Welcome to Teheran

Welcome to Teheran” ruft mir Pouria durch sein offenes Helmvisier zu. Ich darf ihn Paul nennen, weil ich mir seinen Namen nicht merken kann. Wir haben uns mit zwei anderen iranischen Motorradfahrern im „Jungle“ getroffen. Was sich wie subtropischer Regenwald anhört, ist der Name für einen Buchenwald im Elburzgebirgeder aus dem persischen Wortstamm „Jangal“ abgeleitet wurde. Das Elburzgebirge trennt, wie eine Wettermauer, den feuchten Küstenstreifen am Kaspischen Meer und den trocken heißen Westen, insbesondere Teheran. Im Jungle habe ich mich zu Hause gefühlt. Das einzige was anders ist als in unseren heimischen Mittelgebirgswäldern, sind die Fressbuden und Picknickplätze, die links und rechts der Straße auftauchen… inklusive der entsprechenden Müllberge. 

Da es im Jungle schön kühl und grün ist, wird er von den Menschen aus Teheran als Vergnügungspark genutzt und leider ziemlich verschmutzt. Schade eigentlich.

Als ich an diesem Morgen die drei Jungs mit ihren Motorrädern am Straßenrand sah, hab‘ ich instinktiv angehalten und Kontakt gesucht. So viele iranische Motorradfahrer habe ich schließlich noch nicht getroffen. Paul fragte mich, ob ich mitfahren wolle, was ich dankend annahm.

So sind wir, inklusive eines Zwischenstopps für Tee und Melone, im Sommerhaus von Pauls Vater, der ein hochdekorierter iranischer Professor der iranischen Militärakademie war, ziemliche lange auf der legendären Chalus-Road unterwegs. Das ist eine der ältesten Straßen, die das kaspische Meer mit Teheran verbindet und es ist grundsätzlich eine wunderschöne Pass-Straße, die durch drei Klimazonen führt. Extrem ist der letzte Tunnel in den man bei 15 Grad hinein- und nach 2 km bei 32 Grad wieder hinausfährt. Vor dem Wochenende wird die Straße allerdings zu einer endlosen Blechlawine, die chaotisch durch die Berge rollt, falls sie rollt. Ziemlich gerädert kommen wir spät abends in Teheran an.  Zwei Warnungen haben mir Iran-Kenner zu Hause mit auf die Reise gegeben: „Meide den Verkehr in Teheran!“ und „Fahre niemals im Dunkeln“. Letzteres wollte ich schon deshalb vermeiden, weil meine Birne im Scheinwerfer schon seit einigen Tagen ihren Geist aufgegeben hat. 

„Welcome to Teheran“ – als mich Paul willkommen heißt, ist es längst dunkel. Nur das Thermometer hat noch nicht gemerkt, dass der Tag seit Stunden vorbei ist: 34 Grad! Der Verkehr ist dicht. Dabei fand ich‘s jetzt aber gar nicht sooo gefährlich. Es wird halt nur manchmal ziemlich eng mit den Koffern und dem breiten Gepäck. 

Ich habe wieder einmal unglaubliches Glück: Hossein, einer der drei Jungs, bietet mir sein Gästezimmer an. Er hat eine geräumige Stadtwohnung, in der er mit seiner Frau und seinem 25 jährigen Sohn lebt. Hossein war erfolgreicher Produzent für Elektroteile, bis ihm die Billigangebote aus China das Geschäft vermasselt haben. Auch Paul lässt an dem Einfluss des Auslandes im Iran kein gutes Haar. Er ist Ingenieur und hat im Auftrag von Siemens an den Staudämmen, an denen wir im Elburzgebierge vorbeigefahren, sind mitgearbeitet, bis sich Siemens – aufgrund des Embargos der USA – aus dem Projekt zurückgezogen hat. „Dieses Mal kann das Embargo zum Regimewechsel führen“, befürchtet er.

Hosseins Frau kocht uns ein „kleines“ Dinner; Putenschnitzel mit Kartoffeln und Salat. Um Mitternacht falle ich dann auch ins Bett. Was für ein Glück; ohne die Jungs hätte ich heute ziemlich alt ausgesehen. Mein Navi ist hier nicht zu gebrauchen und die Straßenschilder kann ich nicht lesen. Ich wäre im Blindflug irgendwo im dunklen Nirgendwo gelandet.

Welcome to Teheran!

Iran – Against all odds

Der ADAC lässt aktuell übers Internet wissen, dass Motorräder über 250 ccm nicht in den Iran rein gelassen werden! No Chance! Dieser Schock fährt meinem Moped und mir ins Fahrwerk. Was tun? Etwa umkehren? Nix da! Ich verlasse meine Komfortzone in Gocht, Yerevan, mit einem herzlichen „Dankjewel“ an Sandra und dem festen Ziel den Grenzübergang in den Iran bei Agarak zu meistern. Let’s go!

Auf dem Weg dorthin geben die Klöster Khor Virap und Tatev im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes von Armenien nochmal alles.

Der kleine Kaukasus macht großen Spaß; on- und offraod. Armenien was great!

Nach einer letzten Passfahrt (2.500m) von Kapan ins Tal nach Meghri komme ich gegen 10.00 Uhr an die Grenze.

Die Ausreise ist easy. Der beleibte Grenzer raunt mit seiner Bassstimme fast akzentfrei „Auf Wiedersehen“ und entlässt mich mit dem Satz „Friedrich Barbarossa, good“ einigermaßen verstört gen Iran.

Es ist Freitag, d.h. Feiertag im Iran. Der Himmel ist bedeckt, die Temperaturen bei angenehmen 25 Grad. Außer mir sind noch vier Trucker unterwegs. Pass- bzw. Visakontrolle geht fix. Customs geht auch zügig. Es läuft zu gut. Irgendwie traue ich dem Frieden nicht. Am Ende wird es nochmal eng; der Beamte vor der Schranke checkt das Carnet und ruft seinen Vorgesetzten an. Ich verstehe kein Wort von dem was gesprochen wird. Es geht offensichtlich ums Motorrad. War’s das jetzt? Mich quält die Befürchtung, dass meine Reise hier vor der letzten Schranke ein Ende haben könnte.

Hatte der ADAC recht? Meine Knie zittern. Gut, dass das hinter den Protektoren nicht zu sehen ist. Mein Herz rutscht auch da unten irgendwo rum. Das Telefonat dauert lange, will nicht enden. Die Stirn des Beamten legt sich in Falten, die Stimme senkt sich, er legt auf, greift zum Stempel und „Bam“. Er reicht mir das Carnet mit einem erlösenden „Go“. Die Schranke geht auf und Halleluja, ich bin drin. Iran, here I come.

 

 

 

Reisetipp: 3Gs Camping Armenia

Jump in – stay longer!

Wer viel arbeitet oder lange unterwegs ist, braucht eine Auszeit. Ist der Urlaubsantrag genehmigt oder die Zeit reif für eine Pause, dann fehlt oft noch der passende Ort dazu. Auf meiner Afrika-Reise war das die Zauberinsel Sansibar (siehe travelbook.de).

Bei meinem aktuellen Fellows Ride liegt dieser Ort in den Bergen von Yerevan in Armenien.

Kloster Geghard

An der Straße, die zu einem bedeutenden historischen Kloster in Armenien führt, weist ganz unscheinbar ein Schild auf 3Gs Camping hin. Hinter „3Gs“ verbirgt sich die Trilogie der Orte: Garni, Gocht und Geghard. Mitten in dieser geschichtssträchtigen Landschaft liegt ein Campground, der viel mehr ist als ein „Camping-Platz“. Der Begriff „Camping-Hotel“ würde besser passen. Auf 1.600 m über dem Meeresspiegel öffnet sich eine Tür zu einer Oase mit allem Komfort, vergleichbar mit einem 4-Sterne Hotel in Deutschland; zuzüglich Pool, Aussicht auf eine Berglandschaft und Sonne satt. Weiterlesen

Armenien – Lesson learned

Sechs, setzen; Prüfung bestanden!

Offen gestanden, war ich auf meine Tour durch Armenien mangelhaft bis ungenügend vorbereitet. Als ich in Würzburg los fuhr, wusste ich nicht einmal was ein Kreuzgewölbe ist. Ich wusste, dass es in Armenien schöne Klöster geben sollte; aber, dass es so viele sind, hat mir keiner gesagt. Das Kalender-Foto auf dem eine Klosterkirche vor dem Schnee bedeckten Berg Ararat zu sehen ist, kennt fast jeder. Aber das ist nur eins von gefühlt tausend Klöstern. Ich sag’s Euch, hinter jeder Kurve eine „Monastery“. Das ist der touristische Overkill. Mittlerweile sehe ich einen Bergvorsprung und frage mich, warum die da kein Kloster drauf gebaut haben. Ich rate jedem Tourist, der plant nach Armenien zu reisen, erst mal Kunstgeschichte zu studieren.

Wer es sich so richtig geben will, sollte sich für Chatschkare interessieren. Das sind „Kreuzsteine“, die Faktor 100 pro Kloster zählen.

Ich geb‘ ja zu, dass die Steine schön verziert sind. Ja, auch die Klöster machen was her. Vor allem die Lage. Aber wie kann man sich auf so eine Menge vorbereiten?

Kompliziert wird es auch, wenn man erfährt, wer hier wann, gegen wen und warum Krieg geführt hat. Welche Interessen haben Russland, Türkei oder der Iran, wenn es um den Transkaukasus geht? Weiterlesen