Ein Tag zum Vergessen, den ich niemals vergessen werde

(English below: „A day to forget that I will never forget again“)

Aufregung nach dem Frühstück. Polizisten warten im Schatten an der Ausfahrt unseres Hotels in Zahedan, einer Stadt im Süden vom Iran; dem letzten zivilisierten Ort vor der pakistanischen Grenze. Wir haben die Rechnung bereits bezahlt und den Zimmerschlüssel abgegeben, doch die strenge Dame an der Rezeption will uns die Pässe nicht zurück geben. In gebrochenem Englisch verweist sie auf die Anordnung, dass wir nur in Begleitung einer Eskorte die Stadt verlassen dürfen – zu unserer eigenen Sicherheit. Deshalb also all die Polizisten da draußen. Wouter, der junge Holländer mit dem ich seit Yazd unterwegs bin, ist normalerweise ein immer gut gelaunter und freundlich lächelnder Sonnenschein-Typ. Sein Gesichtsausdruck macht jetzt ernst: Nimm einem Holländer den Pass und er wird zum bösen Krieger. Wir versuchen das Good Guy/Bad Guy Spiel. Diesmal soll ich den Good Guy mimen, was mir schwer fällt. Weiterlesen

Iran – Against all odds

Der ADAC lässt aktuell übers Internet wissen, dass Motorräder über 250 ccm nicht in den Iran rein gelassen werden! No Chance! Dieser Schock fährt meinem Moped und mir ins Fahrwerk. Was tun? Etwa umkehren? Nix da! Ich verlasse meine Komfortzone in Gocht, Yerevan, mit einem herzlichen „Dankjewel“ an Sandra und dem festen Ziel den Grenzübergang in den Iran bei Agarak zu meistern. Let’s go!

Auf dem Weg dorthin geben die Klöster Khor Virap und Tatev im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes von Armenien nochmal alles.

Der kleine Kaukasus macht großen Spaß; on- und offraod. Armenien was great!

Nach einer letzten Passfahrt (2.500m) von Kapan ins Tal nach Meghri komme ich gegen 10.00 Uhr an die Grenze.

Die Ausreise ist easy. Der beleibte Grenzer raunt mit seiner Bassstimme fast akzentfrei „Auf Wiedersehen“ und entlässt mich mit dem Satz „Friedrich Barbarossa, good“ einigermaßen verstört gen Iran.

Es ist Freitag, d.h. Feiertag im Iran. Der Himmel ist bedeckt, die Temperaturen bei angenehmen 25 Grad. Außer mir sind noch vier Trucker unterwegs. Pass- bzw. Visakontrolle geht fix. Customs geht auch zügig. Es läuft zu gut. Irgendwie traue ich dem Frieden nicht. Am Ende wird es nochmal eng; der Beamte vor der Schranke checkt das Carnet und ruft seinen Vorgesetzten an. Ich verstehe kein Wort von dem was gesprochen wird. Es geht offensichtlich ums Motorrad. War’s das jetzt? Mich quält die Befürchtung, dass meine Reise hier vor der letzten Schranke ein Ende haben könnte.

Hatte der ADAC recht? Meine Knie zittern. Gut, dass das hinter den Protektoren nicht zu sehen ist. Mein Herz rutscht auch da unten irgendwo rum. Das Telefonat dauert lange, will nicht enden. Die Stirn des Beamten legt sich in Falten, die Stimme senkt sich, er legt auf, greift zum Stempel und „Bam“. Er reicht mir das Carnet mit einem erlösenden „Go“. Die Schranke geht auf und Halleluja, ich bin drin. Iran, here I come.